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Zelt

Wenn man Urlaub mit dem Zelt macht, kommt diesem natürlich eine ganz zentrale Bedeutung zu. Das Zelt ersetzt das gewohnte Heim oder die Wohnung. Am Zelt zu sparen bedeutet, daß man bei Regen ständig kontrolliert, ob irgendwo Wasser eindringt, bedeutet, daß man bei Sturm alle halbe Stunde rausgeht und überprüft, ob die Heringe und Seile halten. Ein Zelt muß Schutz bei jedem Wetter für die ganze Familie bieten – nachts im Regen und bei Sturm eine alternative Unterkunft zu suchen, weil man das Zelt aufgeben muß, ist mit kleinen Kindern praktisch unmöglich.

Die Ära Jack Wolfskin

Heiko hat schon immer Zelte von Jack Wolfskin besessen. Das erste Zelt schaffte er sich 1992 an, ein sommerliches Einbogen-Kuppelzelt namens Starship. Es stand wegen des einzelnen Bogens nicht so recht stabil. Außerdem war das Innenzelt nur aus Moskito-Gaze gefertigt. Bei Wind war es mächtig kalt im Zelt. Aber es war immer dicht und ist es heute noch – seine Schwester hat es hin und wieder im Einsatz.

Nachdem er auf seiner Radtour zum Nordkap 1993 mit dem Starship fast weggeflogen wäre, besorgte er sich, ebenfalls von Jack Wolfskin, ein freistehendes Dreibogen-Kuppelzelt, namens Infinity. Dieses Zelt begleitete ihn elf Jahre lang, bis sich zum Schluß die Beschichtung vom Trägermaterial löste. Die erste gemeinsame Radreise von Heiko und Claudia (Dänemark 2004) fand noch in diesem Zelt statt. Inclusive eines Hotelaufenthalts in Silkeborg, damit wir den Zeltboden nochmal mit Nahtdichter behandeln konnten.

Für den Sommerurlaub 2005 kauften wir uns ein etwas größeres Zelt, das Worlds End RT, ebenfalls von Jack Wolfskin. Den Ausschlag gab die große Apsis, in der man auch bei Regen bequem sitzen und kochen konnte, und daß es ein Zelt für drei Personen war – obwohl wir Kinder noch nicht geplant hatten, dachten wir langfristig, innerhalb der nächsten zehn Jahre würden wir auf jeden Fall Kinder haben ...
Nun kam es ja ganz anders, ein Jahr später erblickte Jannis das Licht der Welt, und da kam uns das größere Zelt ganz recht. Von Anfang an gab es Probleme mit durchdringendem Wasser an einigen Nähten. Wir haben eine ganze Tube Nahtdichter aufwenden müssen, um dem Problem Herr zu werden. Das Zelt ist nun dicht, aber in dem Moment, wo es das Wasser eindringt, kann man überhaupt nichts machen, weil der Nahtdichter nur auf trockene Zelte aufgebracht werden kann. Es regnet also, man packt das Zelt naß ein, baut es abens naß wieder auf – ihr ahnt schon, daß das nicht lustig ist.

Und so richtig zufrieden waren wir mit der Windstabilität dieses Zeltes nie. Den Ausschlag, ein anderes Zelt zu kaufen, gab unser Dänemark-Urlaub im Jahr 2008, wo wir auf Møn wirklich Sorge hatten, ob es den Sturm übersteht. Nun, das hat es, aber eine beruhigende Nacht war das nicht.

Hilleberg

Man entwickelt sich ja weiter, so auch wir. Im Jahre 2008 waren wir mit Naja zusammen plötzlich schon zu viert. Wir schlossen das Kapitel „Zelte von Jack Wolfskin“ mit dem Kauf eines Hilleberg Keron 4 GT ab. Die Frage, die wir uns seinerzeit stellten war folgende: „Wer, wenn nicht wir, sollte sich ein Hilleberg kaufen?"
Und was sollen wir euch sagen? Es ist das beste Zelt, das wir je besessen haben. Man merkt sofort beim Aufbau, daß da Leute konstruieren und schneidern, die wissen was sie tun. Ein Hilleberg ist jeden Euro wert.
Das Keron GT ist unserer Meinung nach das perfekte Zelt für radreisende Familien. Es hat zwei Apsiden, eine kleine und eine große, die ist genau richtig groß um dort bei Regen zu kochen. Der Eingang zur großen Apside läßt sich mit Moskito-Gaze verschließen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Wenn man aus Gewichtsgründen auf die kleinere Apsis verzichten will, dann empfehlen wir euch das Hilleberg Nammatj 3 GT, allerdings nur für drei Personen, eine Variante für vier Personen gibt es nicht. 800 Euro für ein Zelt ist natürlich eine ordentliche Stange Geld. Das Worlds End RT kostet etwas mehr als ein Drittel, ist aber mit über sechs Kilogramm auch fast doppelt so schwer.

Der Abstand zwischen Innen- und Außenzelt ist bei Zelten von Hilleberg derart großzügig bemessen, daß eine Berührung der beiden praktisch ausgeschlossen ist. Das kann man von den Jack-Wolfskin-Zelten, die wir besessen haben, nicht sagen. Eine Berührung ist deswegen schlecht, weil das Außenzelt meistens von innen naß ist, bei längerem Kontakt kann Feuchtigkeit dann durch die Moskito-Gaze in das Innenzelt gelangen. Das ist nicht lustig.

Hilleberg Keron 4 GT, hier am alten Bahnhäuschen Maurholen westlich von Egersund. Zu sehen ist einer der beiden großen Tütenlüfter an der Stirnseite des Zeltes und der Eingang in die große Apsis.

Hilleberg Keron 4 GT, hier am alten Bahnhäuschen Maurholen westlich von Egersund. Zu sehen ist einer der beiden großen Tütenlüfter an der Stirnseite des Zeltes und der Eingang in die große Apsis.

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Die passende Zeltunterlage kostet bei Hilleberg natürlich extra. Da könnt ihr nochmal 100 Euro veranschlagen. Sie ist aus dem gleichen Material wie der Zeltboden und schützt diesen vor mechanischer Beschädigung durch Steine, Äste usw.
Sie ist sehr empfehlenswert, weil zum einen aus dem gleichen hervorragenden Material wie der Zeltboden ist, und weil sie beim Abbau am Zelt verbleiben kann. Hilleberg bringt als hauptsächlichen Pluspunkt an, daß sie wirkunsvoll aufsteigende Bodenfeuchtigkeit unterdrückt – wir haben die nie als Problem empfunden.
Und damit der Aufenthalt im Vorzelt angenehmer ist, legen wir immmer eine Picknickdecke rein. Die bekommt man im Frühjahr beim Discounter unter 10 Euro.

Unser Tip

Wenn euch 1000 Euro für ein Zelt von Hilleberg einfach mal zu viel sind, dann schaut euch doch mal die Zelte von Tatonka an. Die Alaska-Tunnelzelte konnten wir uns auf der jährlichen Zeltmesse von Ötzi auf der Peißnitz ansehen. Die Verarbeitung ist gut und der Haupteingang hat ein Moskitonetz. Die Alaska-Baureihe gibt es als Alaska 4, vergleichbar mit dem Keron 4 GT, als Alaska 3, vergleichbar mit dem Keron 3 GT, und als Alaska 2. Die Zelte sind sicher etwas schwerer als die von Hilleberg, kosten aber auch nur die Hälfte.

Besonders interessant dürften die XL-Zelte von Tatonka für großgewachsene Menschen sein, die haben ein 20 cm längeres Innenzelt, verfügbar als Alaska 2 XL und als Alaska 3 XL.

Silikon oder PU?

Alle High-Tech-Zelte sind mit einer mehrfachen, beidseitigen Silikon-Beschichtung versehen, die günstigeren „Consumer“-Produkte mit einer (innenseitigen) PU-Beschichtung (Poly-Urethan). (Sehr billige Zelte mit Aluminium-Beschichtung, die man saisonal bei diversen Discountern erstehen kann, erwähnen wir hier nicht weiter.) Sieht man einmal vom Preis ab, spricht auf dem Papier alles für Silikon, denn diese Beschichtung erhöht die Reißfestigkeit des Trägergewebes, während die PU-Beschichtung sie verringert. Das führt dazu, daß silikonisierte Gewebe unglaublich leicht sind. Bestellt euch mal den Hilleberg-Katalog, dort sind Gewebeproben drin, zum Ausprobieren der Weiterreißfestigkeit – eine beeindruckende Demonstration der Leistungsfähigkeit.

Wasser außen

In der Praxis sieht das so aus, daß Silikon-Zelte wegen der Außenbeschichtung edel aussehen und einen geschmeidigen Griff haben, aber sie sind auf dem Zeltplatz auch als letzte trocken, weil sich bei Niederschlag deutlich mehr Wasser auf einem Silikonzelt befindet als auf einem Zelt mit PU-Beschichtung, wir reden hier von etwa einem Liter Wasser. Das hat zwei Gründe:

  • Silikon zwingt das Wasser zu Tröfchenbildung: bei vergleichbar großer Verdunstungsoberfläche (Kontaktfläche zwischen Wasser und Luft) befindet sich durch die Tröpfchen wesentlich mehr Wasser auf dem Zelt.
  • Zum anderen befindet sich die PU-Beschichtung auf der Innenseite, so daß das eigentliche Zeltgewebe eines PU-Zeltes sofort naß wird und durch die feine Webstruktur ein Kapillareffekt auftritt, der Tröpfchenbildung effektiv verhindert.

Diesem Problem kommt man bei, indem man morgens einmal um das Zelt geht, und mit einem geeigneten Gegenstand (wir nehmen immer die zusammengefaltete Ortlieb-Faltschüssel) das Wasser wie mit einem Scheibenwischer vom Zelt wischt. Allerdings kommt man wegen des Wassers auf dem Außenzelt kaum trocken aus der Tür, weil sofort etwas herunterläuft. Da hilft ein über dem Eingang aufgespanntes Tarp.

Wasser innen

Das Problem existiert auch auf der Innenseite des Außenzeltes. Auch hier kommt es bei Silikonzelten zu Tröpfchenbildung, während die PU-Beschichtung zu Filmbildung führt. Unsere Erfahrungen zeigen, daß ein Wasserfilm deutlich besser abläuft als einzelne Wassertröpfchen. Das wird nur dann zum Problem, wenn wegen Windstille keine Luftbewegung im Zelt ist, sich also überhaupt erst Kondenswasser am Außenzelt bildet und es dann noch stark regnet. Die auf das Außenzelt fallenden Regentropfen führen nämlich dazu, daß die Tröpfchen auf der Innenseite herunterfallen.
Die dabei im Zelt „abregnende“ Wassermenge kann unter ungünstigen Umständen durchaus relevant sein, besonders was elektronische Geräte betrifft, die man dann nicht einfach so herumliegen lassen kann.

Und so muß man, wenn es stärker regnet und kein Wind ist, mit einem Zeltlappen das Zelt von innen abwischen. Bisher haben wir dazu immer ein Geschirrhandtuch aus Baumwolle benutzt. Weil die unterwegs aber so schlecht trocknen, haben wir uns ein kleines MSR Packtowl Original dafür besorgt.

Tarp

Den Einsatzbereich unseres Zeltes haben wir mit Hilfe eines Tarps erweitert (wir haben ein Wechsel Wing). Es wird über den Haupteingang des Zeltes gespannt. Der Eingangsbereich ist dadurch immer trocken, das erleichtert den Alltag bei Regen ungemein, denn man muß nicht mit den nassen Regensachen in das Zelt, sondern kann diese unter dem Vordach aus- und anziehen. Außerdem ist die Tür selbst trocken, so daß diese im Regen geöffnet sein kann.

An unserem Jack-Wolfskin-Zelt hatten wir immer eine „selbstgenähtes“ Tarp dabei, aus normaler Abdeckplane geschneidert. Das raschelte und knisterte und war schwer, aber hat uns immer treue Dienste geleistet.

Für das Keron 4 GT haben wir uns ein Tarp von Wechsel gekauft. Dieses ist nicht nur unglaublich leicht, sondern auch noch als Notunterkunft für den Rest der Familie zu gebrauchen, während Papa im Regen das Zelt aufbaut.

Das Wechsel Wing läßt sich prima als schnell aufgestellte Notunterkunft gebrauchen. Mit entsprechenden Heringen taugt es auch als Strandmuschel.

Das Wechsel Wing läßt sich prima als schnell aufgestellte Notunterkunft gebrauchen. Mit entsprechenden Heringen taugt es auch als Strandmuschel.

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