Nach einer Woche Bahn-, Fähr- und Fahrradfahrt geht es endlich richtig los. Bergen ist erreicht. Nun liegen vier Wochen Nordseeküstenradweg in Norwegen vor uns. Das Wetter ist uns wohlgesonnen. Wir sind gespannt.
Karte
Eckdaten
| Tage | 6 |
| Kilometer | 157 |
| Höhenmeter | 2483 |
Bergen – Fana – Osøyro – Fitjar – Leirvik – Langevåg – Haugesund.
So war's
Von Bergen waren wir einerseits ob des guten Wetters überrascht (es hat nicht geregnet), andererseits ist der Ort mit Touristen abgefüllt. Das hat uns gar nicht gut gefallen. Und da wir sowieso noch ein paar Kilometer vor uns hatten, haben wir uns nach einem Fischkauf am Hafen ziemlich bald auf die Socken gemacht.
Die nationale Radroute 1 haben wir gleich gefunden, aber irgendwo südlich der Stadt verloren und einfach gegen einen Bahndamm getauscht, der in die gleiche Richtung geht. Und irgendwann war die 1 auf einmal wieder da. Auf Anhieb haben wir eine wunderschöne Badestelle am Fanafjord gefunden. Die Höhenmeter hielten sich in Grenzen. Auf der Karte hatten wir aber den ersten Paß (230 m) für den Folgetag bereits ausgemacht.
An diesem hatte Claudia so ihre Probleme und wollte dann auch gleich wieder nach Hause fahren. Wir sind dann doch weitergefahren. Allerdings sind die Berge hier schon sehr steil, unter 10% Steigung scheint für die norwegischen Straßenplaner kein Ansporn zu sein. In der Ruine von Lyse Kloster haben wir eine erste gefrustete Lagebesprechung abgehalten. So kann es nicht weitergehen. Erst nach einigen Tagen ergaben wir uns dem Schicksal mit der Erkenntnis, daß die Berge in Südnorwegen halt sehr steil sind. Leider drücken die Steigungen über 10% deutlich auf die Tageskilometer, weil wir die mit dem vielen Gepäck und den Kindern nur mit größerem Kraftaufwand hochkommen. Der wichtigste Gang unserer Schaltungen war der erste!
Eines der landschaftlich schönsten Stücke des ganzen Nordseeküstenradwegs in Norwegen liegt zwischen Leirvik und Langevåg. Verträumte Landstraßen, kaum Verkehr, fahrbare Steigungen und kleine Siedlungen. Ein paar unserer Bilder versuchen diesen Eindruck mitzunehmen, was leider nicht gelingen kann.
Die Übernachtung vor Haugesund auf einer kleinen Wiese etwas oberhalb der Straße werden wir jedenfalls nicht vergessen: absolute Ruhe. Kein Blätterrauschen, keine Zivilisationsgeräusche. Einfach nichts. Man wagt kaum zu atmen.
In Haugesund steht ein kolossaler Basaltobelisk mit 29 kleineren Steinen drumrum. Der Sage nach soll hier Harald Hårfagre (Harald I. genannt Schönhaar) begraben liegen. Er einte im Jahre 872 13 Landesfürsten hinter sich und legte so den Grundstein für das Land Norwegen.
Gleich neben Haraldshaugen liegt übrigens Norwegens schönster Stadtcampingplatz, nach eigenen Angaben der Betreiber, versteht sich. Als wir ankamen, war das EDV-System offline, Anmelden war nicht möglich. Nicht mal auf's Klo gehen konnte man, denn jeder Gast erhält eine Chipkarte, die auch zum Öffnen der Türen dient. Und wegen dieses Problems konnten keine Karten verteilt werden.
Das zweigeteilte Museum von Haugesund ist übrigens sehenswert. Im wesentlichen handelt es von der Boomzeit der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts, als man die Heringe praktisch nur aus dem Meer schaufeln mußte. Sehr anschaulich wird die Arbeitsweise zu dieser Zeit dargestellt. Es gibt auch einen Freilicht-Teil, dort kann man das ganze dann in den Original-Häusern bestaunen. Auch für Kinder interessant.