Du bist hier: Reiseberichte > Deutschland > Elsterradweg >

Elsterradweg

Der Elsterradweg ist Ostdeutschlands jüngster Radweg und führt von der Elsterquelle im Naturpark Halštrov nahe dem tschechischen AŠ (Asch) über die Orte Bad Elster, Plauen, Greiz, Gera, Zeitz und Leipzig nach Halle.
Heiko und Jannis machen eine Jungsreise und nehmen den Radweg allein unter die Räder.

Karte

Eckdaten

Tage: 3
Kilometer: 175
Höhenmeter: 1.200

Bad Brambach, Elsterquelle, Bad Elster, Plauen, Greiz, Gera, Zeitz

Vorbereitung

Da Claudia Anfang April eine Freundin in Bayern besucht, haben Heiko und Jannis zu zweit den Elsterradweg erkundet. Die Karte lag schon seit letztem Jahr auf seinem Schreibtisch, nachdem Heiko von einem Radfahrer in Halle den Tip zu diesem „ursprünglichen“ Radweg bekommen hatte.

Die Planung war fix gemacht, Campingplätze gibt es nur vier, einen an der Talsperre Pirk bei Kilometer 46, der nächste an der Talsperre Pöhl bei Kilometer 68, der dritte hinter Berga (Elster) bei Kilometer 112 und der vierte dann erst in Leipzig bei Kilometer 210. Da am ersten Tag die Anreise mit der Bahn stattfinden sollte ergaben sich auf dem Papier vier Tagesetappen mit 46, 66, 98 und 30 Kilometern. Ein kurzer Blick auf das Höhenprofil bestätigt, daß es im wesentlichen bergab geht mit zwei, drei nennenswerten Erhebungen in der ersten Tourhälfte.

Die landschaftliche Begebenheit bringt es mit sich, daß der Radweg zu Beginn vom Radler körperliche Fitneß abverlangt. Oft ist im Tal neben der Elster kein Platz mehr für den Radweg. So klettert die Route immer wieder die Berghänge hinauf, um danach wieder ins Tal zu führen. Weiße Elster Radwanderweg, Grünes Herz Verlag, Ilmenau und Ostseebad Wustrow

Das widerspricht zwar ein wenig dem abgedruckten Höhenprofil, klingt doch aber ganz nett.

Die Tour

Die Anfahrt in den verträumten Kurort Bad Brambach auf knapp 600 Metern Höhe verläuft problemlos. Bei allerbestem Sonnenschein und gefühlten 30°C machen wir uns kurz nach Mittag auf den Weg zur Quelle in Tschechien, die wir nach langem Schieben erst um 16 Uhr erreichen, da wir uns verlaufen haben.

Die Spuren des Winters sind überall zu sehen. Auf dem Weg zur Elsterquelle sind wir um Dutzende umgestürzter Bäume drumrumgelaufen.

Die Spuren des Winters sind überall zu sehen. Auf dem Weg zur Elsterquelle sind wir um Dutzende umgestürzter Bäume drumrumgelaufen.

Zur Bildergalerie

Nun ja, das mit dem Verlaufen ist so gewesen: Auf dem Garmin Oregon war seinerzeit nur die topografische Karte für Deutschland (von Garmin) installiert. Als wir die Grenze überquert hatten, war der Bildschirm plötzlich weiß. Eine Orientierung war damit nicht mehr möglich.
[Update] Mittlerweile haben wir das Problem so gelöst, daß wir die gesamte velomap-Karte für Europa runtergeladen und auf eine 8 GB SD-Karte kopiert haben – Deutschland braucht etwa ein Gigabyte.[/Update]

Dann machen wir uns voller Freude auf die Abfahrt nach Halle. Die Wege in Tschechien sind allerdings so dermaßen schlecht, daß an zügiges Fortkommen nicht zu denken ist. Sehnlichst wünschen wir uns unser gefedertes Riese und Müller Delite, das daheim im Fahrradies ohne Gabel hängt, die bei der Firma Cosmic in Nürnberg auf ihre Reparatur wartet. Stattdessen schleichen wir die Berge fast genauso langsam runter wie wir sie erklommen haben. Tatsächlich schaffen wir nicht einmal die für den ersten Tag geplanten 46 Kilometer, denen stand unsere längere Suche nach der Elsterquelle und etwa 250 Höhenmeter im Weg (Aufstieg zur Quelle mitgerechnet). Wildzelten ist also angesagt, direkt am Elsterradweg hinter Adorf. Bis auf die Bahn, die direkt neben uns vorbeisaust, ist es eigentlich ganz nett hier. Heiko kocht fix ein paar Nudeln, und dann kriechen wir auch schon in unsere Schlafsäcke, es wird bitterkalt.

Die Autobahnbrücke bei Pirk ist die größte Quadersteinbogenbrücke Europas.

Die Autobahnbrücke bei Pirk ist die größte Quadersteinbogenbrücke Europas.

Zur Bildergalerie

In der Nacht gefriert uns das Wasser.

Das Etappenziel des ersten Tages erreichen wir erst nach weiteren 500 Höhenmetern gegen Mittag des zweiten Tages. Wunderschöne kleine Ortschaften und Städte säumen den Weg, Oelsnitz mit der St. Jacobikirche, Plauen mit der ältesten Brücke Sachsens, Greiz mit seinem wunderschönen Residenzschloß. Erst gegen 20 Uhr erreichen wir den Campingplatz in Clodra am Ende des zweiten Tages, es stehen 830 Höhenmeter auf dem Tacho bei 86 Kilometern gefahrener Strecke. Heiko ist mittelmäßig bedient und total kaputt, mit so einer Anstrengung hat er aufgrund der Beschreibung in der Karte nicht gerechnet. Und dann befindet sich der Campingplatz Clodra auch noch oben auf dem Berg. Eine Dreiviertelstunde dauert die Schinderei aus dem Tal dorthin.

Die Taubenfurt zwischen Neuhammer und Kupferhammer. Sie wird heute noch benutzt. Die Brücke ist nur für Radfahrer und Fußgänger.

Die Taubenfurt zwischen Neuhammer und Kupferhammer. Sie wird heute noch benutzt. Die Brücke ist nur für Radfahrer und Fußgänger.

Zur Bildergalerie

Am dritten Tag ist es leider auch tagsüber sehr kalt, das Thermometer zeigt nur vier Grad. Eigentlich steht die Etappe über 100 Kilometer nach Leipzig an. Jedoch überrascht uns ab 10 Uhr ein starker Gegenwind aus Richtung Nord, also genau von vorn, so daß Heiko in Bad Köstritz entscheidet, die Tour in Zeitz enden zu lassen, denn Jannis, der sich auf dem Rad vorn auf Sattel nicht bewegt, friert. Selbst Heiko ist beim Fahren kalt. In Zeitz zeigt der Tacho noch einmal 50 Kilometer mit 125 Höhenmetern.

Obwohl Heiko sich unglaublich quälen mußte, um seinen Sohn, das beladene Rad und sich selbst über die Berge zu zerren, ist es doch eine beeindruckende Erfahrung, von der er auch noch lange erzählen kann. Die Landschaft ist wunderschön. Berge haben halt schon ihren Reiz. Das Elsterquellwasser schmecht hervorragend und die Strecke ist gesäumt von wirklich beeindrucken Brückenbauwerken.

Elsterradweg, für wen eigentlich?

Auf längeren Abschnitten gleicht der Weg eher einer Mountain-Bike-Strecke als einem Radwanderweg. Steigungen bis zu 20% sind die Regel, nicht die Ausnahme. Selbst wenn es kräftig gewachsene Kinder gibt, die ihr Rad solche Berge hochwuchten können, wir würden sie fahrend auf keinen Fall auf der anderen Bergseite wieder runterfahren lassen. Viel zu gefährlich. Aus dem Bauch heraus würden wir sagen, daß die Strecke für Kinder erst ab acht Jahren geeignet ist, und das nur, wenn sie ganz sicher mit ihrem Fahrrad umgehen können.

Längere Abschnitte verlaufen auf sehr stark befahrenen Bundesstraßen – ohne Radweg. Das ist der Fall im Einzugsgebiet der größeren Ortschaften Bad Elster, Adorf, Oelsnitz und Greiz. Dort braucht es schon viel Vertrauen in die Fahrkunst selbstfahrender Kinder. Vorbildlich gelöst wurde die Radwegführung in Gera.

Aufgrund eines Drängelgitters in Oelsnitz beim Überqueren der Elstertalbahn, einiger „landschaftlicher Engstellen“ (z.B. beim Lochhaus nördlich von Plauen) und der generell sehr schlechten Oberflächenbeschaffenheit ist der Radweg leider für Familien mit kleinen Kindern im Anhänger erst ab Elsterberg befahrbar – hervorragende Bremsen am ziehenden Rad vorausgesetzt. Wenn man nicht so auf Berge steht, ist der Elsterradweg erst ab Zeitz benutzbar.

Leider fehlen Zeltplätze entlang der Strecke. Für normal trainierte Radwanderer, wie wir sie in Dänemark zuhauf treffen, sind die Abstände zwischen den Zeltplätzen einfach zu groß, wobei man eher die zwischen den Zeltplätzen liegenden Höhenmeter nennen müßte ...
Immerhin, in fast jedem kleinen Ort gibt es irgendeine kleine familiär geführte Pension. Für sportlich ambitionierte Radfahrer, ohne Zelt und Kocher, dafür mit ganz leichtem Gepäck und ohne Kinder dürfte der Elsterradweg ein Geheimtip sein. Alle anderen fahren erst ab Zeitz.

Das sagt der Tourismusverband Vogtland

Am 14.4.2010 habe ich folgende E-Mail an den Tourismusverband Vogtland geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin mit meinem dreijährigen Sohn Jannis am vergangenen Wochenende den
Elsterradweg gefahren. Ich war dann doch ein wenig „angefressen“ vom
Ausbauzustand des Radweges. Er erscheint mir gerade im Vogtland dann doch eher
Mountain-Bike-Strecke oder Wanderweg zu sein als ein Radweg. Aufgrund der im
Netz verfügbaren Informationen war darauf nicht zu schließen.

Ich habe einen Tourbericht incl. 36 Bildern auf meiner Homepage veröffentlicht.

http://www.hartje.name/reisen/2010/elsterradweg.html

Ich habe gehört, daß Sie im Vogtland einige Veränderungen am Radweg planen und
neue Strecken bauen wollen. Vielleicht könnten Sie da etwas zu sagen.
Insbesondere interessiert die Besucher meiner Homepage (und natürlich auch
mich), an welchen Stellen Verbesserungen vorgenommen werden sollen, und ob sich
die Familientauglichkeit dadurch verbessern wird.

Außerdem frage ich mich, warum Sie keinerlei Informationen zum Höhenprofil auf
Ihrer Homepage geschrieben haben. Mir fehlt auch der Hinweis, daß die
vogtländische Strecke mit selbstfahrenden Kindern oder mit normalen
Kinderanhängern überhaupt nicht befahrbar ist.

Zu guter Letzt möchte ich noch loswerden, daß die Beschilderung des Radweges
nicht sehr gut gelöst ist. Viele Schilder fehlen, viele zeigen in falsche
Richtungen. Trotz GPS-Gerät und Karte (grünes herz) habe ich mich mehrmals
verfahren.

Mit freundlichen Radlergrüßen

Heiko Hartje

Zwei Tage später kam folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Hartje,

für Ihre Unannehmlichkeiten, die Sie auf dem Elsterradweg erlebt haben, möchte
ich mich im Namen des Tourismusverband Vogtland e.V. bei Ihnen entschuldigen.
Für die Hinweise danken wir Ihnen
Die von Ihnen aufgeführten Punkte werden wir prüfen und uns nach Eingang der
Rückmeldungen wieder bei Ihnen melden.

Mit freundlichen Grüßen
Kathrin Weidhaas

So, liebe Leute, am 5.5. habe ich nun eine Antwort erhalten vom Landratsamt Vogtlandkreis, Herrn Junghof. Er schreibt, daß die Anliegerkommunen des Elsterradwegs diesen ausbauen wollen. Es gebe eine Machbarkeitsstudie für mehr Familienfreundlichkeit und vor allem Flußnähe, die nun als Vorzugsvariante bestätigt ist. Allein auf vogtländischen Gebiet würden dafür acht Mio. Euro bereitgestellt. Die Fertigstellung ist bis Ende 2011 geplant.
Das ganze Schreiben als PDF-Datei, 2 Seiten, 1,3 MB

So ganz aus der Reserve will er ja nicht mit den genauen Planungen. Aber: ab 2012 ist das wunderschöne Elstertal auch für Familien erfahrbar. Wir sind gespannt und haben uns den Termin bereits vorgemerkt ...

Seite per E-Mail empfehlen

Sprachen:

Preload Image Preload Image Preload Image Preload Image Preload Image