Du bist hier: Reiseberichte > Deutschland > Himmelsscheibe/Ustrut > Himmelscheibenradweg >

Teil 1: Himmelsscheibenradweg

Im Jahre 1999 wurde auf dem Mittelberg im Ziegelrodaer Forst bei Nebra von Raubgräbern eine Bronzescheibe gefunden. Später stellte sich heraus, daß es sich dabei um die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung handelt – die etwa 4.000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra. Seit 2002 ist diese Scheibe im Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle (Saale). Der Himmelsscheibenradwg verbindet den Fundort der Scheibe auf dem Mittelberg mit ihrem Aufbewahrungsort. Der Radweg verläuft durch reizvolle Landschaften und hat ein paar Steigungen zu bieten.

Karte

Eckdaten

Tage: 3
Kilometer: 73
Höhenmeter: 975

Halle (Saale) – Benkendorf – Seeburg – Aseleben – Röblingen am See – Schraplau – Querfurt – Ziegelrodaer Forst – Wangen

Vorbereitung

Das Landesmuseum für Vorgeschichte liegt keine 700 m von unserer Wohnung entfernt. Den Track für den Himmelscheibenradweg hat Heiko vor einiger Zeit von einem Leser der Homepage erhalten. Der wurde kurzerhand auf GPS-Gerät geladen. Gedrucktes Kartenmaterial gibt es eh nicht. Zelt und Schlafsäcke eingepackt, ein bißchen was zu essen, Kinder geschnappt, und los geht es.

Reisebericht

Das Packen hat ungewöhnlich lange gedauert, so daß wir erst gegen vier Uhr nachmittags losgekommen sind. Manchmal ist das eben so. War aber kein Problem, es war sehr warm – das Fahren in den Abendstunden ist dann sowieso angenehmer gewesen. Nachdem wir aus Halle raus sind, fahren wir durch die kühle Heide.

Gefährlich ist das Überqueren der Salzmünder Straße, weil man auch ein Stück (100 m) darauf fahren muß. Hier sollte die Stadt unbedingt investieren und den Gleisübergang befahrbar machen, damit die Radfahrer gleich geradeaus weiterfahren können und nicht auf der Straße fahren müssen.

Von nun an geht es praktisch autofrei über Benkendorf und Zappendorf (Spielplatz!) in das Naturschutzgebiet Langenbogen.

Lieblos hingekippte große Kieselsteine im NSG Langenbogen.

Lieblos hingekippte große Kieselsteine im NSG Langenbogen.

Zur Bildergalerie

Ab nun fährt man praktisch ohne Steigungen bis an den Kernersee. Nun muß man bis Rollsdorf einen guten Kilometer auf der alten B80 fahren, ab dort fährt man asphaltiert auf der anderen Seite des Mühlgrabens bis nach Seeburg. Dort gibt es genügend Übernachtungsmöglichkeiten. Wir fahren zum Campingplatz Seeburg und schlagen unser Zelt keine 50 m von der Wasserkante auf. Die Kinder spielen auf dem kleinen Spielplatz und am Wasser während Heiko Nudeln kocht.

Nach einer ruhigen Nacht zieht nach dem Sonnenaufgang ein Gewitter heran. Das warten wir zunächst ab, bevor wir dann weiterziehen. In Aseleben haben wir ein paar große Packungen frisch gepflückter Kirschen erstanden und die auf dem Spielplatz gleich vernascht.

Es geht dann durch den ehemaligen Salzigen See. In Röblingen wird die gerade die Straße neu gebaut. Okay, zugegeben, am Abzweig in Aseleben war die Straße schon gesperrt. Sie haben aber auch nicht gesagt, wo wir stattdessen langfahren sollen. Normalerweise kommt man ja als Radfahrer irgendwie durch. Hier haben sie es uns sehr schwierig gemacht. Durch den morgendlichen Regen war der Lehm ziemlich rutschig und schleimig. Nach 20 Minuten hatten wir die Räder aber doch hochgezerrt.

Nachdem sich das morgendliche Gewitter verzogen hat, geht es weiter. In Röblingen am See wird die Straße neu gemacht. Eine Umleitung für die Radfahrer auf dem Himmelsscheibenradweg ist natürlich nicht ausgeschildert. Wir müssen also die Räder durch den klebrigen Lehmschlamm ein paar Meter nach oben zerren.

Nachdem sich das morgendliche Gewitter verzogen hat, geht es weiter. In Röblingen am See wird die Straße neu gemacht. Eine Umleitung für die Radfahrer auf dem Himmelsscheibenradweg ist natürlich nicht ausgeschildert. Wir müssen also die Räder durch den klebrigen Lehmschlamm ein paar Meter nach oben zerren.

Zur Bildergalerie

Zur Belohnung haben wir uns im örtlichen Supermarkt mit Schokolade eingedeckt. Der Blick zurück vom Schraplauer Berg entschädigt für alle Mühen. Es folgt gleich eine rasante Abfahrt wieder ins Tal. Die Mittagspause verbringen wir auf dem Spielplatz der Schule. Die Kinder spielen im Sandkasten, Heiko ist auf der schattigen Bank eingenickt, als eine „besorgte Nachbarin“ mit dem Hinweis aufwartet, daß der Schulhof am Wochenende nicht betreten werden darf, und daß das auch für uns gelte. Jaja, wir gehen ja gleich.
Heiko ist gerade wieder eingeschlafen, als die Dame vom Zaun aus schon wieder über den Schulhof brüllt, wir mögen uns doch bitte an die Regeln halten und uns unverzüglich ... [verziehen], sonst würde sie jemanden anrufen. Jaja, wir gehen ja gleich.
Wir haben dann erstmal Mittagbrot gegessen. Die Dame kam nicht wieder und rief auch niemanden an. Nicht sehr kinderfreundlich hier in Schraplau.

Nach einem weiteren 25 m-Berg schlängelt sich der Himmelsscheibenradweg immer entlang der Weida, ein wunderschön verlassenes Tal (wenn da die Autobahnbrücke der A 38 nicht wäre). In Kuckenburg stellt Heiko fest, daß Naja eine Sandale verloren hat. Also ist zurückfahren angesagt, waren zum Glück nur zwei Kilometer. Dann wieder hin nach Kuckenburg, da fehlt so ein bißchen die Lust, denn hinter der Kurve erwartet uns ein ziemlicher Berg, es sind nur knapp 10 % Steigung, aber in der Mittagshitze ist das ganz schön anstrengend.

In Querfurt befindet sich direkt vor der Eisdiele dieser tolle Wasserspielplatz.

In Querfurt befindet sich direkt vor der Eisdiele dieser tolle Wasserspielplatz.

Zur Bildergalerie

Hinter Querfurt wird es gemütlich. Zunächst über Feinschotterwege, dann über einen Wiesenweg schlängelt sich der Himmelsscheibenradweg durch ein bachloses Tal Hermannseck entgegen. Am Wegesrand liegen viele schöne Rastplätze, auf denen man auch prima mit dem Zelt übernachten kann. Da wir kein Wasser mehr haben, machen wir es uns auf dem Campingplatz Hermannseck gemütlich.

Am späten Abend zieht das heftigste Gewitter direkt über uns hinweg, das wir jemals im Zelt erlebt haben. Die Kinder schlafen tief und fest, der Weltuntergang draußen interessiert sie nicht. Innerhalb von 15 Minuten fallen hier 100 mm Niederschlag, die Windböen sind so stark, daß unser Hilleberg fast am Boden liegt. Der Spuk ist genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen war. Danach spiegelt sich der westliche rote Abendhimmel in den weißen, nach Osten abziehenden Gewitterwolken – ein grandioses Naturschauspiel.

Nach dem heftigsten Gewitter, das wir jemals im Zelt erlebt haben, geht es am nächsten Morgen durch den Ziegelrodaer Forst weiter Richtung Nebra.

Nach dem heftigsten Gewitter, das wir jemals im Zelt erlebt haben, geht es am nächsten Morgen durch den Ziegelrodaer Forst weiter Richtung Nebra.

Zur Bildergalerie

Am nächsten Morgen radeln wir gemütlich durch den Ziegelrodaer Forst bis zum Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg. Dort überrascht uns der nächste Schauer, wir suchen Schutz unter einer Baumgruppe. Nach einer Stunde Regen hält sie uns nicht mehr trocken und wir ziehen in den Turm um. Es ist kalt und alle frieren. Endlich läßt der Regen nach, wir besteigen den schiefen Turm und genießen die grandiose Aussicht. Und danach genießen wir die grandiose Abfahrt über 160 Höhenmeter bis in das Unstruttal. In der Arche Nebra wärmen wir uns auf, und dann kommt doch tatsächlich die Sonne wieder raus.

Fazit

Der Himmelsscheibenradweg ist eine tolle Radroute. Mit 70 km Länge ist er ideal für einen Wochenendausflug. Bis auf die sehr gefährliche Querung der Salzmünder Straße in der Dölauer Heide verläuft die Route nahezu autofrei auf sehr ruhigen Nebenstraßen oder auf Feldwegen. Allerdings ist schon der ein oder andere Berg zu bezwingen.

Bildergalerie

20 Bilder

Sprachen:

Preload Image Preload Image Preload Image Preload Image Preload Image