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4. Abschnitt: Haugesund – Egersund

Zwischen Haugesund und Egersund befindet sich das landschaftlich abwechslungsreichste Stück des Nordseeküstenradwegs. Norwegen kompakt sozusagen. Während an den Küsten vor Stavanger flache Küstenregionen mit landwirtschaftlich genutztem Hinterland vorherrschen, geht es Richtung Süden (Egersund) bergemäßig ordentlich zur Sache.

Karte

Eckdaten

Tage: 7
Kilometer: 194
Höhenmeter: 2.393

Haugesund – Skudeneshavn – Tananger – Orre – Vigrestad – Ogna – Egersund

So war's

In Haugesund und anschließend auf Karmøy bewegt man sich auf geschichtsträchtigem Terrain. Hier wurde vor 1200 Jahren der Weg für ein vereinigtes Norwegen freigemacht, durch die für Harald Schönhaar siegreich verlaufene Schlacht am Hafrsfjord. Danach konnte er 13 Regionalkönige und -fürsten hinter sich einen und ein gemeinsames Reich schaffen. In Haugesund erinnert die Basaltsäule in Haraldshaugen an die Stelle, wo der Sage nach Harald Schönhaar begraben liegen soll.
Ein Stückchen südlich, sehr geschützt im Karmsund, hatte er den Königssitz angelegt. Dort befindet sich das im Jahr 2005 eröffnete unterirdische Museum, das Harald Schönhaar zum Thema hat. Es ist leider sehr teuer und mit allerlei technischem Schnickschnack versehen, der leider nicht so richtig funktioniert, weshalb trotz der zweifelsohne großen aufgebrachten Mühen irgendwie der Beigeschmack des rausgeworfenen Geldes bleibt. Auch das angegliederte Wikingerdorf konnte uns nicht überzeugen, da nur ein paar leere Steinhütten zu besichtigen waren, die großen Hütten waren teilweise abgeschlossen oder nur mit weiterem Eintrittsgeld zu besichtigen.

Die Insel Karmøy ist im Landesinneren sehr trostlos, viele Felsen, Sumpf, unwegsam. Dafür beherbergt die Westküste der Insel prima Sandstrände mit hervorragenden Badestellen. Wir hatten allerdings nicht ganz so gutes Wetter. Leider war dadurch auch unser Eindruck von Skudeneshavn etwas getrübt. Dieser Ort hatte seine Blüte während der Zeit der großen Heringsschwärme Ende des 19. Jahrhunderts. Wir haben uns nicht sehr lange dort aufgehalten, um 16 Uhr ist leider schon alles geschlossen, weiter ging es mit der Fähre nach Mekjarvik. Ein paar Kilometer weiter haben wir in Sande eine prima Zeltstelle direkt am Strand gefunden.

Nun folgte für uns die Badelandschaft schlechthin. Die Küste besteht nur noch aus Dünen und Sand. Das Wetter wurde wieder besser, und so haben wir hin und wieder die Gelegenheit am Schopf zum Bade gepackt. Die Nordsee ist hier leider sehr, sehr kalt.

Während die Küste von Dünen und Sand geprägt ist, charakterisiert sich das Hinterland durch Intensivlandwirtschaft und Viehhaltung. Stavanger, Norwegens am schnellsten expandierende Stadt, ist nah und will mit Fleisch versorgt werden. Das bringt leider auch einige olfaktorische Unannehmlichkeiten mit sich.

Besonders erwähnenswert ist eine kleine Hängebrücke über einen kleinen Bach zwischen Hå und Obrestad. Dort gibt es auch ein recht interessantes Museum. Ein Stückchen weiter südlich steht Obrestad Fyr, ein Leuchtturm, dessen Museum leider nur Sonntags geöffnet hat.

Kleine Hängebrücke nahe Hå über einen namenlosen Bach.

Kleine Hängebrücke nahe Hå über einen namenlosen Bach.

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Eines der landschaftlich reizvollsten Stücke befindet sich an der Küste vor Varhaug am Gamle Kongeveien. Man fährt dort als Radfahrer autofrei eigentlich direkt an der Küste entlang, selten genug hat man dieses Vergnügen am Nordseeküstenradweg in Norwegen.

Einer der beschwerlichsten Abschnitte liegt zwischen Ogna und Egersund. Auf abenteuerlichen Schotterpisten mit Steigungen bis zu 25 % bekommt der Begriff Radwandern eine ganz eigene Bedeutung. Anstrengung, Einsamkeit und Schönheit liegen beim Radreisen ganz dicht zusammen. Am stillgelegten Bahnhof Maurholen, so etwa auf halber Strecke, kann man auf einer großen Wiese prima zelten. Schön wäre es, wenn es hier einen Wasserhahn am alten Bahnhofsgebäude gäbe.

Das sind 25% Steigung. Hier am Vestlandske Hovedvei.

Das sind 25% Steigung. Hier am Vestlandske Hovedvei.

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Die Schrecken der Lista-Halbinsel

Die wenigen Radfahrer, die uns entgegenkamen, berichteten alle einhellig von den Bergen um die Lista-Halbinsel und das norwegische Südkap. Viel Verkehr, stramme Steigungen und schmale Straßen – kein optimales Zielgebiet für eine Radreise mit Kindern. Nach den wirklich schwierigen 18 Kilometern vor Egersund haben wir uns deshalb entschlossen, dieses Stück mit der Bahn zu umfahren. Außerdem zeigte ein Blick auf die Kilometertafel, daß Oslo für uns mit Fahrrad sowieso nicht mehr erreichbar war. Die von Heiko aufgestellte Tagesplanung mit 40 Kilometern am Tag war in Norwegen irgendwie nicht machbar. Und so haben wir uns 285 Kilometer Berge gespart und sind bis nach Kristiansand mit der Bahn gefahren.

Der Fahrkartenkauf am Automaten in Norwegen ist übrigens nach viermaligem Drücken des Bildschirms in einer Minute erledigt, mit Fahrradkarte. Ehrlich.

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