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6. Abschnitt: Gdańsk – Frombork

Das Wetter ist hervorragend. Wir stehen vor der Entscheidung, uns die Marienburg anzusehen oder an der Küste zu bleiben und vielleicht noch ein bißchen baden zu gehen. Nachdem das Wetter fast die gesamte Ostseeküste nicht so doll war und erst seit der Halbinsel Hel sommerlich ist, wir haben unterwegs sogar eine Winterjacke für Naja kaufen müssen, fällt die Entscheidung nicht schwer: wir bleiben an der Ostseeküste und wollen mit der Fähre über das Frische Haff nach Frombork (Frauenburg) übersetzen, und von dort dann mit dem Zug fahren nach Olsztyn (Allenstein) in Masuren.

Karte

Eckdaten

Tage: 3
Kilometer: 76
Höhenmeter: 275

Gdańsk (Danzig) – Stegna (Steegen) – Krynica Morska (Kahlberg) – Frombork (Frauenburg) – Braniewo (Braunsberg)

Reisebericht

Heiko freut sich. Benno kommt. Nachdem er gestern Nacht mit der polnischen Bahn irgendwo zwischen Berlin und Gdańsk (Danzig) hängengeblieben ist, geht es nun weiter und er holt uns vom Campingplatz in Gdańsk ab. Und er will den Bob mitnehmen, damit wir in Masuren schneller vorankommen.

Die gemeinsame Weiterfahrt Richtung Osten zum Frischen Haff gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Campingplatz liegt auf einer Insel zwischen den Weichselarmen. Die erste Brücke über den Weichselarm ist eine Autobahnbrücke, die nächste in Richtung Danzig zehn Kilometer entfernt, was einen Umweg von mindestens 20 Kilometern bedeutet. Es ist noch früh am Tag, Wochenende und kaum Verkehr auf der Straße, also fahren wir kurzerhand über die verbotene Brücke. Uiuiui ...

Unsere Fahrt über die neue Autobahnbrücke. Durch ein paar Hundert Meter auf dieser Straße ersparen wir uns mindestens 20 Kilometer Umweg.

Unsere Fahrt über die neue Autobahnbrücke. Durch ein paar Hundert Meter auf dieser Straße ersparen wir uns mindestens 20 Kilometer Umweg.

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Die weitere Fahrt bleibt schwierig, es geht entlang des R10 über vielbefahrene Hauptverkehrsstraßen mit schmalem Seitenstreifen. Benno kennt eine Abkürzung und schwört Stein und Bein, hier schonmal langgefahren zu sein – er konnte nicht wissen, daß Heiko bei der Tourvorbereitung auf dem Satellitenbild das Werkstor gesehen hat, das den Weg versperrt. Nachdem wir das Werksgelände auf der Hauptstraße umfahren haben, können wir abbiegen, nun wird es endlich ruhiger. Wir finden eine ruhige Angelstelle an der Weichsel und machen wohlverdiente Pause.

Das GPS-Gerät spinnt rum. Eine kurze Untersuchung ergibt: das E-Werk ist kaputt. Zum Glück haben wir ein zweites im Bob Ibex, das wir nehmen können. Unsere kleine Solarzelle würde uns kaum ausreichend Strom für den Energiefresser am Lenker bescheren.

Über ruhige Nebenstraßen fahren wir weiter. Benno nimmt den Bob leider nicht mit, weil er heute noch 80 Kilometer bis nach Marienburg fahren will. Und so trennen sich unsere Wege am frühen Nachmittag. Wir fahren in Küstennähe weiter auf kaum befahrenen Straßen und setzen mit einer bemerkenswerten Fähre über die Weichsel über.

Die letzte Fähre über die Wisła (Weichsel) vor ihrer Mündung in die Ostsee. Die eigentliche Fähre hat keinen Motor, dazu dient der alte kleine Schlepper, der den Ponton mal rechts mal links "auf's Horn nimmt" und an das andere Ufer schiebt.

Die letzte Fähre über die Wisła (Weichsel) vor ihrer Mündung in die Ostsee. Die eigentliche Fähre hat keinen Motor, dazu dient der alte kleine Schlepper, der den Ponton mal rechts mal links „auf's Horn nimmt“ und an das andere Ufer schiebt.

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Wir verbringen die Nacht auf einem halbverlassenen Campingplatz. Durch die Nähe zur Fähre ist es hier sehr ruhig.
Das bleibt leider nicht lange so. Am nächsten Tag nähern wir uns dem Frischen Haff und der Straßenverkehr wird deutlich mehr und die Straße schmaler. Wir haben die Wahl auf der Straße von irgendeinem besch[...] Polen umgenietet zu werden oder wir radwandern in Küstennähe auf sandigen und hügeligen Waldwegen. Wir entscheiden uns für letzteres.

Wir machen Pause direkt auf den Waldwegen oder am menschenleeren Strand, es ist wirklich niemand hier. Von Beschilderung einer Radroute kann hier allerdings keine Rede sein. Hin und wieder finden wir ein paar Farbkleckse an den Bäumen. Im Prinzip schlägt man sich hier so durch – oder man fährt eben auf der Straße. Wir denken, daß es im Prinzip möglich ist, abseits der Straße sich mit dem Rad bis nach Krynica Morska (Kahlberg) durchzuschlagen, gefunden haben wir den Weg allerdings nicht. Wenn ihr hier langradeln wollt, solltet ihr euch bei gpsies einen Track zeichnen und den auf euer GPS-Gerät runterladen. Ein paar Kilometer vor Krynica Morska (Kahlberg) steht doch tatsächlich ein Fahrradschild, das uns in den Ort weist, wir folgen ihm und enden einen Kilometer weiter hoffnungslos irgendwo im Wald im Sand. Weitere Schilder folgen nicht. Wir fahren zurück und auf der Straße weiter. Dieser Abschnitt auf dem fischen Haff ist lebensgefährlich für Radfahrer.

Wir finden in Krynica Morska einen sehr schönen Campingplatz direkt am Frischen Haff.

Traumhafte Sandstrände auf der Frischen Nehrung an der Ostsee. Die russiche Grenze ist nur ein paar Kilometer entfernt.

Traumhafte Sandstrände auf der Frischen Nehrung an der Ostsee. Die russiche Grenze ist nur ein paar Kilometer entfernt.

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Nach der Fährüberfahrt nach Frombork (Frauenburg) sind wir zunächst enttäuscht. Zunächst wollte uns der Fährmann doch tatsächlich noch bescheißen und nach der Ankuft ein paar Extrasloty abzweigen, mal abgesehen davon, daß die Fähre mit 40 Euro sowieso total überteuert ist. Und dann mußten wir auf dem Bahnhof vom Frombork feststellen, daß hier schon länger keine Züge mehr fahren.
Die geschlossene Domanlage entschädigt dafür mit reichlich Historie. An dieser Stelle entwickelte Nicolaus Copernicus seine Theorie von Heliozentrischen Weltbild, was soviel heißt wie, daß die Planeten um die Sonne kreisen und nicht etwa die Sonne um die Erde. Copernicus war hier Dommeister. Außerdem hängt in einem der Türme der Wehranlage ein sog. Foucaultsches Pendel, mit dem die Erdrotation sichtbar gemacht werden kann.

Der Frauenburger Dom mit barocker Innenausstattung.

Der Frauenburger Dom mit barocker Innenausstattung.

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Gegen Nachmittag fahren wir weiter nach Braniewo (Braunsberg), dort endet die Bahnstrecke von Frombork auf der Karte und hat Anschluß an eine etwas dicker dargestellte Bahnlinie nach Olsztyn (Allenstein). Wir haben Glück, es gibt den Bahnhof und es scheinen Züge zu fahren. Indes, wann sie fahren ist nicht herauszukriegen. Die Abfahrtstafel ist für uns nicht verständlich. Und so warten wir auf den Zug, der gegen 19:00 eintrifft. Es folgt eine Stunde schöner Zugfahrt nach Olsztyn, dort empfängt uns strömender Regen.

Masuren, wir kommen.

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