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4. Abschnitt: Ostseeküstenradweg Łeba – Hel

Östlich von Łeba (Leba) verläuft der Ostseeküstenradweg auf vielbefahrenen Straßen durch das hügelige Hinterland. Ein Stückchen weiter östlich befindet sich in Rozewie (Rixhöft) das polnische Nordkap. Bei bestem Sonnenschein verbringen wir eine halbe Woche an den feinen Sandstränden der Halbinsel Hel (Putziger Nehrung).

Karte

Eckdaten

Tage: 6
Kilometer: 108
Höhenmeter: 1.250

Łeba (Leba) – Wierzchucino (Wierschutzin) – Krokowa (Krockow) – Władysławowo (Großendorf) – Hel (Hela)

Reisebericht

Östlich von Łeba (Leba) verläuft der Ostseeküstenradwegs nördlich des Strandsees Jezioro Sarbsko (Sarbsker See) direkt hinter den Dünen. Demensprechend schlecht befahrbar ist die Oberfläche. Sie is sandig, bergig, stellenweise voller Wurzeln, mit einen zweispurigen Anhänger nicht befahrbar – aber wunderschön einsam und still. Für die 15 Kilometer brauchen wir inklusive Flickpause (schon wieder Heikos Hinterrad) und Mittagspause fünf Stunden.

Wenn im Wald keine Tannenzapfen liegen, sind es die Wurzeln, die uns Mühe machen.

Wenn im Wald keine Tannenzapfen liegen, sind es die Wurzeln, die uns Mühe machen.

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Nach der Mittagspause besuchen wir den Latarnia Morska Stilo (Leuchtturm Stilo). Wir lassen die Räder unten im Wald stehen und laufen auf die 45 Meter hohe Düne, auf der der 34 Meter hohe Turm steht. Aufgrund einer Ausstellung, die sich im „Treppenhaus“ des Turms befindet, sind nur geführte Gruppen erlaubt. Führungen finden nur zu bestimmten Zeiten statt. 14:15 sind wir auf der Düne, die nächste Führung findet um 15 Uhr statt. Eine unfreundliche Frau steht an der Tür des Leuchtturm und weist barsch die Touristen ab. Wir haben keine Lust, eine Dreiviertelstunde zu warten und wandern unverrichteter Dinge wieder zu den Fahrrädern.

Ab jetzt endlich wieder Asphalt. Es geht über kaum befahrene Straßen nach Choczewo (Chottschow, Gotendorf) – allerdings fast nur bergauf. Um Choczewo zu erreichen, sind etwa 200 Höhenmeter zu überwinden. Ab Choczewo müssen wir die Hauptstraße benutzen, entsprechend stressig ist die Fahrt. In Wierzchucino (Wierschutzin) ist ein Campingplatz eingezeichnet. Nach Esterbauerkarte sind das noch zehn Kilometer.

Leider befindet sich in Wierzchucino gar kein Campingplatz. Mit Deutsch und Englisch kommen wir nicht weiter. Ein älterer Herr schnappt sich kurzerhand sein Fahrrad und bringt uns hin. Bevor wir uns bedanken können, ist er schon wieder auf dem Rückweg. Besonders ärgerlich an der Sache ist, daß der Platz noch auf dem Kartenschnitt von Esterbauer liegt und einfach nicht richtig recherchiert ist.

Waldcampingplatz bei Wierzchucino (Wierschutzin). In der Esterbauerkarte ist er leider nicht eingezeichnet, obwohl er noch auf dem Kartenschnitt liegt. Ein älterer Herr aus Wierzchucino, der weder Englisch noch Polnisch spricht, ist so freundlich, uns mit dem Rad zu begleiten und fährt die drei Kilometer voraus bis zum Platz. Bevor wir uns bedanken können, ist er schon wieder auf dem Rückweg. Die Polen selbst sind Freunde dieser kleinen Holzhütten, die nur vorn eine Tür und hinten ein Fenster haben.

Waldcampingplatz bei Wierzchucino (Wierschutzin). In der Esterbauerkarte ist er leider nicht eingezeichnet, obwohl er noch auf dem Kartenschnitt liegt. Ein älterer Herr aus Wierzchucino, der weder Englisch noch Polnisch spricht, ist so freundlich, uns mit dem Rad zu begleiten und fährt die drei Kilometer voraus bis zum Platz. Bevor wir uns bedanken können, ist er schon wieder auf dem Rückweg. Die Polen selbst sind Freunde dieser kleinen Holzhütten, die nur vorn eine Tür und hinten ein Fenster haben.

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Am nächsten Tag, auf dem Rückweg nach Wierzchucino kommen wir an vielen Blaubeersträuchern vorbei. Wir sammeln in kurzer Zeit zwei volle Tassen ein.

Nach einer rasanten Abfahrt kaufen wir im Delikatesy Centrum in Krokowa (Krockow) ein und machen Mittagspause auf der Bank davor. Im Ortszentrum laufen Störche auf einer kleinen angelegten Rasenfläche. Das angrenzende Schloß war bis zum Ende der Sitz der Grafen von Krockow.

In Karwia (Karwen) finden wir einen Campingplatz keine 100 m von der Küstenlinie entfernt. Da das Wetter gut ist, liegen wir noch ein bißchen faul am Strand herum, während die Kinder am Wasser spielen. Am nächsten Tag sind die Wellen richtig hoch, zwei Kilometer hinter Karwia muß Heiko nochmal unbedingt in der Ostsee baden.

Ausspannen am Strand von Karwia (Karwen). Das Zelt ist aufgebaut auf dem Campingplatz direkt hinter den Dünen, keine 100 Meter von hier, es ist warm, die Kinder spielen am Wasser. So stellen wir uns Urlaub vor.

Ausspannen am Strand von Karwia (Karwen). Das Zelt ist aufgebaut auf dem Campingplatz direkt hinter den Dünen, keine 100 Meter von hier, es ist warm, die Kinder spielen am Wasser. So stellen wir uns Urlaub vor.

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In Jastrzębia Góra (Habichtsberg) geht es erstmal kräftig berauf. Wir befinden uns in der nördlichsten Ortschaft Polens. Der Leuchtturm in Rozewie (Rixhöft) am östlichen Ortsausgang von Jastrzębia Góra steht in 58 Metern Höhe und wird von Touristen bevölkert. Der Eintritt ist teuer, zwar ist im Preis der Besuch des angegliederten Museums enthalten, aber wir fühlen uns wegen der vielen Menschen unwohl und fahren lieber weiter.

Die Verbindungsstraße von Jastrzębia Góra nach Władysławowo (Großendorf) ist in unsere Richtung ein einziger Stau. Wir haben die Vermutung, daß diese Leute alle auf die Halbinsel Hel (Putziger Nehrung) wollen. In Chłapowo (Chlapau) kurz vor Władysławowo machen wir bei Regen Frühstückspause in einem Bushäuschen. Die mitleidigen Blicke der vor uns auf der Straße im Stau stehenden Autofahrer sind uns gewiß. Dabei sind sie es, die ob ihrer heldenhafter Ausdauer unser Mitleid verdienen ...

In Władysławowo holen wir Geld und schicken Postkarten weg. Auf der „russisch“ gebauten Rollstuhlzufahrt zur Hauptpost fällt Naja einen Meter tief auf einen Gitterrost – mit kurzen Atemstillstand und Verdacht auf Gehirnerschütterung. Das ist der Worst Case. Zum Glück hatte sie ihren Helm auf und hat sich nichts getan.

Im Hafen von Władysławowo (Großendorf).

Im Hafen von Władysławowo (Großendorf).

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Nach dem Schock verlassen wir Władysławowo recht zügig und fahren auf die Halbinsel Hel (Putziger Nehrung). Im Querschnitt ist sie so aufgebaut, daß von Norden her gesehen sich zunächst der Strand befindet, dahinter liegen ausgedehnte Waldgebiete. Es folgt die Bahnstrecke, danach die Straße und der Radweg. Südlich des Radwegs befinden sich die Campingplätze. Alle paar Kilometer liegen kleine Ortschaften.
Wir fahren nur fünf Kilometer auf der Halbinsel und nehmen den camping Polaris. Wir haben auch keine Wahl, alle anderen Plätze sind hoffnungslos überfüllt. Dennoch ist dieser Platz keine schlechte Wahl. Es gibt nagelneue und großzügige Sanitäranlagen. Die Sonne scheint und es ist warm – wir bleiben gleich zwei Nächte.

Am nächsten Tag ist das Wetter so schön, daß wir beschließen, einen Pausentag einzulegen und den Tag am Strand zu verbringen. Die gleiche Idee hatten auch viele schöne junge Leute aus dem Großraum Gdańsk :-)

Am nächsten Tag ist das Wetter so schön, daß wir beschließen, einen Pausentag einzulegen und den Tag am Strand zu verbringen. Die gleiche Idee hatten auch viele schöne junge Leute aus dem Großraum Gdańsk :-)

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Bei allerbestem Sonnenschein raffen wir uns endlich zum Weiterfahren auf. So recht wollen wir die Halbinsel nicht verlassen, und so schaffen wir gerade mal 14 Kilometer bis nach Jastarnia (Heisternest). Die Suche nach einem Campingplatz gestaltet sich in der Hitze anstrengend. Der Platz auf der Südseite ist sowas von überfüllt und hat keinen einzigen schattenspenden Baum auf dem Gelände. Ein weiterer Platz will uns nicht mehr aufnehmen – voll. Am Nordrand des Ortes gibt es noch einen kleinen Zeltplatz mit Platz für fünf Zelte, dort kommen wir unter und nehmen den letzten freien Stellplatz. Wir verbringen nochmal einen schönen Sonnentag am Strand.

Am nächsten Tag aber wollen wir die Überfahrt nach Gdańsk (Danzig) wagen. In irgendeinem Reiseführer hatten wir gelesen, daß die Südspitze der Halbinsel autofrei sein soll – das stimmt natürlich nicht. Das östliche Drittel der Halbinsel ist bewaldet und Naturschutzgebiet. Ein sandiger Radweg verläuft rauf und runter neben der Asphaltstraße, die wir wählen und dafür genervtes Hupen in Kauf nehmen. Für Kinder ist dieses Stück weniger geeignet.

In zwei Stunden Fahrzeit bringt uns die Opal von Hel (Hela) nach Gdańsk (Danzig). Kostenpunkt: 42 Złoty, etwa 10 Euro.

In zwei Stunden Fahrzeit bringt uns die Opal von Hel (Hela) nach Gdańsk (Danzig). Kostenpunkt: 42 Złoty, etwa 10 Euro.

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Die Fähren von und nach Hel sind reine Personenfähren. Es stehen so viele Leute auf dem Kai, daß wir Sorge haben, nicht mehr auf das Schiff zu passen. Die Besatzung faulenzt in der Sonne, während wir uns mit den Kindern und den bepackten Rädern über den Stelling auf das Schiff quälen. Ein wenig traurig nehmen wir Abschied von der Halbinsel und wenden uns Gdańsk (Danzig) zu, wo wir uns morgen mit Heikos Freund Benno treffen wollen.

Karten und Literatur

Sprachen:

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