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1. Abschnitt: Ostseeküstenradweg Ahlbeck – Kołobrzeg

Den Ostseeküstenradweg zwischen dem Seeheilbad Ahlbeck und Kołobrzeg (Kolberg) kann man vortrefflich als abenteuerlich charakterisieren. Ausgedehnte küstennahe Kiefernwälder mit schlecht befahrbaren Wegen wechseln mit Bespaßungsorten ab, die mit gelangweilten Touristen abgefüllt sind. Zwar ist der Ostseestrand wunderschön, wir können ihn wegen des schlechten Wetters aber kaum genießen. Wegen des vielen Regens verwandeln sich die Sandwege in große Schlammlöcher, sind aber einigermaßen befahrbar.

Karte

Eckdaten

Tage: 6
Kilometer: 175
Höhenmeter: 2.450

Seeheilbad Ahlbeck – Świnoujście (Swinemünde) – Rewal (Rewahl) – Mrzeżyno (Treptower Deep) – Kołobrzeg (Kolberg)

Reisebericht

Obwohl der Sonnenschein uns zum Baden einlädt, verlassen wir die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck recht zügig. Menschengedränge, überhöhte Preise und Schicki-Micki-Hotels und -Pensionen sind nicht so unser Ding. Und so radeln wir über die gerade neu erstellte Promenade nach Polen. Naja nicht ganz, ein paar Hundert Meter vor der polnischen Grenze sind komplett gesperrt, wir schieben also durch den küstennahen Kiefernwald.

In Świnoujście (Swinemünde) steht das Besorgen Polnischer Sloty auf dem Programm. Klingt einfacher, als es ist. Wir folgen dem Post-Schild, dort kann man uns aber nicht weiterhelfen. Heikos GPS-Gerät kennt einen Geldautomaten, dort bekommen wir, was wir suchen. Der Urlaub ist gerettet. Die Fähre über die Świna ist für Radfahrer und Fußgänger aber kostenlos.

Östlich von Świnoujście (Swinemünde) beginnen ausgedehnte, hügelige, sandige und sehr ruhige Kiefernwälder.

Östlich von Świnoujście (Swinemünde) beginnen ausgedehnte, hügelige, sandige und sehr ruhige Kiefernwälder.

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Nach ein paar Kilometern zweigen wir von der Straße ab, von nun an geht es durch den Wald. Das bedeutet vor allem viel Sand und noch mehr Mücken. Wir freuen uns sehr über unsere breiten Marathon Extreme, deren Traktorprofil erst bei größeren Mengen an losem Sand die Spur verliert. Wahrscheinlich haben wir Glück, daß es erst geregnet hat, sonst wäre hier nicht viel mit radeln. Wir haben noch niemals so viele Heidelbeersträucher wie in diesem Wald gesehen. Nach zwölf anstrengenden Kilometern geben wir uns für diesen Tag in Miedzyzdroje (Misdroy) geschlagen und begeben uns auf den Campingplatz. Die Gäste der umliegenden Bettenburgen können uns auf den Teller schauen und es gibt nur eine Dusche für den ganzen Platz. Immerhin gibt es einen kleinen Spielplatz – und Eis.

Das Wetter wird schlechter

Nach einer unruhigen Nacht müssen wir feststellen, daß sich das Wetter verschlechtert hat. Es ist deutlich kühler und Sonne ist auch nicht mehr zu sehen.
Östlich von Miedzyzdroje befindet sich der bereits 1960 gegründete Woliński Park Narodowy (Woliner Nationalpark) mit einem Wildreservat. Dort kann man Rehe, Wildschweine und Wisente (europäische Verwandte des Bisons) bestaunen. Da das letzte freilebende europäische Wisent um 1920 erlegt wurde, handelt es sich bei diesen Tieren „nur noch“ um eine Nachzüchtung.
An der Oder in Sierosław hat Heiko den ersten Platten. Natürlich nach der Mittagspause als es weitergehen soll.

Wir stellen fest, daß es in jedem kleinen Ort so eine Art Rummel oder Kirmes gibt. Jedoch nicht so wie man das bei uns kennt auf einem Rummelplatz, sondern in der Art, daß der ganze Ort vollgestellt ist mit Freß- und vor allem Spielbuden. An jeder Ecke kann man vierrädrige Spaßgefährte ausleihen, mit denen die halbwüchsigen Kinder alle Wege unsicher machen. Weil kein Strandwetter ist, bespaßen sich die Urlauber mit Zeugs kaufen, Fast Food essen, Automaten bespielen.

Strömender Regen in Pobierowo (Poberow). Erkennbar sind einige der Kirmesbuden am Straßenrand. Wir suchten ein kleines Spielzeug für die Kinder, weil sie bei diesem Wetter so tapfer durchhalten.

Strömender Regen in Pobierowo (Poberow). Erkennbar sind einige der Kirmesbuden am Straßenrand. Wir suchten ein kleines Spielzeug für die Kinder, weil sie bei diesem Wetter so tapfer durchhalten.

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In Miedzywodzie (Heidebrink) beginnt es ergiebig zu regnen. Die sandigen Waldpisten verwandeln sich in große Schlammlöcher. Am folgenden Tag kommt starker Nordwind dazu. Naja friert, und ihre Regensachen sind nicht dicht. In Pobierowo (Poberow) kaufen wir ihr eine viel zu große knallbunte Regenjacke.

Die einzige Attraktion an der Küste: eine verfallene Kirche

Fünf Kilometer östlich von Pobierowo in einem kleinen Nest namens Trzęsacz (Hoff) hat die rauhe Ostsee die Küste dermaßen abgetragen, daß von der im 15. Jahrhundert errichteten Kirche (damals stand sie zwei Kilometer vom Ufer entfernt) heute nur noch eine kleine Kirchenwand steht. Im Sommer 1874 wurde die Kirche aufgegeben. Zumindest an diesem Küstenabschnitt herrschen starke Uferbefestigungen vor. Anscheinend möchte man den letzten Rest der Kirche, der ein starker Touristenmagnet ist, nicht auch noch an das Meer verlieren.

Die übriggebliebene Kirchenmauer in Trzęsacz (Hoff) zwischen Pobierowo (Poberow) und Rewal. Uns macht der starke Nordwind zu schaffen. Bei dem Wetter belegen alle Urlauber die Einkehrmöglichkeiten, keine Chance für uns, auch nur eine warme Pizza zu bekommen.

Die übriggebliebene Kirchenmauer in Trzęsacz (Hoff) zwischen Pobierowo (Poberow) und Rewal. Uns macht der starke Nordwind zu schaffen. Bei dem Wetter belegen alle Urlauber die Einkehrmöglichkeiten, keine Chance für uns, auch nur eine warme Pizza zu bekommen.

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Zwischen Pogorzelica (Fischerkaten) und Mrzeżyno (Treptower Deep) läßt Esterbauer die Ostseeküstenroute über Trzebiatów (Treptow an der Rega) laufen und nicht an der Küste entlang. Wir haben keine Lust auf vielbefahrene Straßen und schlagen uns durch menschenleere Waldgebiete. Wir begegnen lediglich ein paar Pilzesammlern. Dummerweise ist der östliche Teil ein Truppenübungsplatz, der auf keiner Karte und auch im GPS-Gerät nicht verzeichnet ist. Glücklicherweise weiß ein Einheimischer Rat. Zwar können wir auf keinen Fall über das Kasernengelände laufen. Aber es gibt einen kleinen Fußweg um die Kaserne herum. Und so verbringen wir einige Zeit mit dem Schieben der schweren Räder durch hügeligen, sandigen Kiefernwald.

Kołobrzeg naht, die Wege werden besser

Das Wetter bleibt regnerisch. Die Wege werden besser – wir nähern uns dem Oberzentrum dieser Gegend: Kołobrzeg. Wir durchqueren die Stadt um die Mittagszeit bei strömendem Regen. Es ist kalt und so richtig haben wir keine Lust, irgendetwas zu besichtigen. Wir freuen uns über jede Tasse heißen Tee – bis die Thermosflasche leer ist. Der Wind ist stark auflandig, dementsprechend laut ist das Meer, die Wellen sind vier Meter hoch.

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