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2. Abschnitt: Ostseeküstenradweg Kołobrzeg – Rowy

Der Ostseeküstenradweg in Polen zwischen Kołobrzeg (Kolberg) und Rowy (Rowe) kann abwechslungsreicher nicht sein. Sandige Waldpisten an der Küstenlinie wechseln mit verlassenen Feldwegen im Hinterland munter ab. Wir umrunden unzählige Küstenseen. Das Wetter ist wechselhaft – wir haben bei 12 Grad sogar eine Winterjacke für Naja kaufen müssen.

Karte

Eckdaten

Tage: 5
Kilometer: 154
Höhenmeter: 1.575

Kołobrzeg (Kolberg) – Mielno (Groß Möllen) – Darłowo (Rügenwalde) – Jarosławiec (Jershöft) – Ustka (Stolpmünde) – Rowy (Rowe)

Reisebericht

Östlich von Kołobrzeg (Kolberg) ist der Ostseeküstenradweg hervorragend ausgebaut. Bei strömendem Regen verlassen wir die Stadt recht früh – bei solch einem Wetter mag man nicht anhalten und sich Sehenswürdigkeiten ansehen. Es ist kalt und wir frieren. Kurz vor Podczele (Bodenhagen) geht der Ostseeküstenradweg nach Esterbauerkarte zur Straße und soll ihr bis Ustronie Morskie (Henkenhagen). Allerdings wurde zwischen dem Kolberger Flughafen offensichtlich mit EU-Fördergeldern ein toller neuer Rad- und Fußweg gebaut. Nach 20 Kilometern erreichen wir um die Mittagszeit Sianożęty (Ziegenberg) und finden eine Einkehrmöglichkeit: bei schlechtem Wetter gehen wir immer Pizza essen.

Östlich von Kołobrzeg (Kolberg) verläuft der Ostseeküstenradweg kilometerlang auf (von der EU geförderten) wunderschön gepflasterten Wegen. Über die Notwendigkeit läßt sich vortrefflich streiten, etwas Besonderes ist diese Pflasterung allemal.

Östlich von Kołobrzeg (Kolberg) verläuft der Ostseeküstenradweg kilometerlang auf (von der EU geförderten) wunderschön gepflasterten Wegen. Über die Notwendigkeit läßt sich vortrefflich streiten, etwas Besonderes ist diese Pflasterung allemal.

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Gestärkt, aufgewärmt und mit halbwegs trockenen Klamotten fahren wir weiter. Der Regen hat aufgehört. Es geht über kaum befahrene Küstenstraßen. Wir wollen einen Zwischenstop einlegen am Leuchtturm von Gąski (Funkenhagen), aber bei dem Wetter stürzen sich alle auf die wenigen Sehenswürdigkeiten. Und so stehen vor dem Leuchtturm geschätzte 100 Touristen und warten auf Eintritt. Auf Schlangestehen haben wir überhaupt keine Lust, und fahren weiter. Kurz vor Sarbinowo finden wir einen kleinen Campingplatz direkt am Meer. Es lockt eine heiße Dusche.

Aus Heikos zwei Jahre alter Shimano Deore Tretkurbel laufen größere Mengen rostiges Wasser. Vor dem Urlaub hatte sie bereits ein bißchen Spiel. Jetzt wird es zusehends schlimmer, der viele Schlamm geht an ihr nicht spurlos vorrüber. Ob das Tretlager den Urlaub wohl überstehen wird? Wo sollen wir Ersatz finden?

Der nächste Tag bringt uns besseres Wetter. Wir fahren nach Mielno (Groß Möllen), idyllisch gelegen am Westende des Jezioro Jamno (Jamunder See). Der kleine Ort erstickt leider total im Autoverkehr. Nach einem Großeinkauf fahren wir zügig weiter.

Mielno (Groß Möllen) erstickt im Verkehr, vielleicht wegen der idyllischen Lage am Jezioro Jamno (Jamunder See).

Mielno (Groß Möllen) erstickt im Verkehr, vielleicht wegen der idyllischen Lage am Jezioro Jamno (Jamunder See).

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Auf der Karte hat Heiko entdeckt, daß der Ostseeküstenradweg im nächsten Ort Łazy (Lasse) die Küste verläßt um den Jezioro Bukowo (Buckower See) zu umrunden, es aber nach Karte einen Weg über die Nehrung gibt. Wir müssen dann leider feststellen, daß die der Esterbauer-Karte zugrundeliegende topografische Karte fehlerhaft ist. Einen Weg gibt es hier nicht, außer man möchte mit dem Rad am Strand langschieben. So umrunden wir den Jezioro Bukowo im Hinterland. Eigentlich keine schlechte Entscheidung, denn es geht überwiegend über kaum befahrene Landstraßen und Feldwege. Nach etwas über 30 Kilometern finden wir hinter Gleźnowo (Steinort) einen privaten Campingplatz, auf dem sich ein paar Windsurfer mit ihren Bussen und Wohnwagen niedergelassen haben. Wasser gibt es keines, wir haben noch genug Wasser für eine Nacht dabei.

Am nächsten Morgen können wir bei bestem Sonnenschein den Start eines Ultraleichtflugzeugs beobachten. Großes Kino für die Kleinen. So richtig Lust weiterzufahren haben wir nicht, aber irgendwann kriegen wir doch noch die Kurve. Gleich im nächsten Ort Bukowo Morskie (Seebuckow) gibt es die Überreste eines Zisterzienserkloster zu besichtigen, einstmals das mächtigste Kloster der Schlawer Region. Viel zu sehen gibt es nicht mehr, die Kirche ist leider auch versperrt.

Wir durchqueren Darłowo (Rügenwalde) – wem der Name etwas sagt, liegt richtig. Hier kommt ursprünglich die Teewurst her. Dir Firma ist nach dem Krieg nach Bad Zwischenahn gezogen. In einem Ort namens Palczewice (Palzwitz) finden wir Fahrradwegweiser nach Wicie (Vitte). Es ist nicht der in der Esterbauerkarte eingezeichnete Weg. Die Richtung stimmt, der Weg ist etwa vier Kilometer kürzer und sieht jetzt erstmal ganz gut aus (Betonplatten). Wir erreichen den Jezioro Kopań (Vitter See), hier hören die Betonplatten auf, wir haben nun einen Kiesweg, auf dem wir am Schilfgürtel entlangfahren. Nach einer Weile hört der Kies auf, wir fahren nun auf einer Autospur über eine Wiese. Irgendwann ist von der Autospur kaum noch etwas zu sehen. Uns kommen Radler entgegen, die von einem Graben berichten, über den es keine Brücke gibt. Super Abkürzung, wir stehen mitten im Schilf, die Sonne brennt, Wasser alle, und die Mücken und Bremsen jagen uns. Unser Mückenmittel ist schon seit ein paar Tagen leer. Wir fahren ein Stück zurück und versuchen es ein Stückchen weiter vom See entfernt über ein abgerntetes Getreidefeld. Wir erreichen die Straße nach Wicie. Dort angekommen ist erstmal ein großes Eis für jeden fällig. Ein paar Hundert Meter weiter schlafen wir auf einem sehr ruhigen Campingplatz.

Am nächsten Morgen erreichen wir früh Jarosławiec (Jershöft). Hier steht angeblich der Leuchtturm mit der größten Sichtbarkeit (über 50 km) an der ganzen Ostseeküste. Wir können nicht klären, ob es sich nur um die polnische handelt oder die gesamte Ostseeküste. Vielleicht weiß einer unserer Leser mehr.

Der stattliche Leuchtturm von Jarosławiec (Jershöft), erbaut im Jahr 1856, gilt mit seinem über 50 Kilometer weit sichtbaren Leuchtfeuer als der stärkste der (gesamten?) Ostseeküste.

Der stattliche Leuchtturm von Jarosławiec (Jershöft), erbaut im Jahr 1856, gilt mit seinem über 50 Kilometer weit sichtbaren Leuchtfeuer als der stärkste der (gesamten?) Ostseeküste.

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Nach dem ausgiebigen Besuch des örtlichen Spielplatzes fahren wir weiter. Wieder führt der Ostseeküstenradweg tief ins Hinterland. Kurz hinter Jarosławiec versuchen wir auf eigene Faust, an der Küste entlangzufahren. Der Weg ist uns versperrt, keine 100 Meter kommen wir weit. Ein Wachposten der polnischen Armee gibt uns deutlich zu verstehen, daß hier für uns kein Durchkommen ist. Und so fahren wir über kaum befahrene Nebenstraßen und durch viele verträumte Dörfer, in denen die Bauern ihr Stroh noch mit der Pferdekutsche holen, bis nach Ustka (Stolpmünde). Die Brücke über die Słupia (Stolpe) ist noch erwähnenswert, immerhin hat man hier an Schieberinnen für die Radfahrer gedacht. Der anschließende Weg durch den Wald hat es mit großen Steigungen und gefährlichen Böschungswegen in sich.

Der Campingplatz in Ustka ist leider überhaupt nicht schön und auch nicht ruhig. Er liegt mitten in der Stadt neben dem Rummelplatz. Unnötig zu erwähnen, daß gerade Rummel war. An die Sanitäreinrichtungen wollen wir uns lieber nicht erinnern.

Der folgende Tag beschert uns eine einsame Fahrt auf einem stillgelegten Bahndamm durch Wald und Flur. In Bałamątek (Alte Mühle) hört der Bahndamm auf. Dort entsteht gerade ein privater Zeltplatz bei einem sehr netten Deutsch-Polnisch-Übersetzer. Daten werden nachgeliefert.
Die nun folgenden zwei Kilometer kann man getrost als sehr sandig beschreiben. Die Kinder finden das prima, Sandburgen bauen mitten auf dem Weg.

Zwischen Ustka (Stolpmünde) und Bałamątek (Alte Mühle) verläuft der Ostseeküstenradweg über eine Länge von zehn Kilometern auf einem stillgelegten Bahndamm.

Zwischen Ustka (Stolpmünde) und Bałamątek (Alte Mühle) verläuft der Ostseeküstenradweg über eine Länge von zehn Kilometern auf einem stillgelegten Bahndamm.

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In Dębina (Schönwalde) machen wir noch einen Abstecher zum Meer und unternehmen am Strand eine kleine Wanderung. Nach der Rückkehr zu den Fahrrädern finden wir am BOB eine kleine Windmühle, die uns fortan den ganzen Urlaub begleitet. Das Zelt gilt erst als aufgebaut, wenn vor dem Eingang die Mühle in der Erde steckt. Vielen Dank dem Spender.

Die Straße von Dębina bis Rowy ist neu asphaltiert. Mit Rückenwind fliegen wir in die Stadt und finden gleich einen Campingplatz am Ortseingang.

Karten und Literatur

Sprachen:

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