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Körperhygiene

Körperhygiene ist ein sehr heißes Thema. Die Tatsache, daß es keine warme Dusche gibt, hält viele davon ab Radreisen zu unternehmen. Hier beschreiben wir, wie wir das machen.

Ihr werdet lachen, als wir vor vielen Jahren im Globetrotterkatalog ein Duschzelt entdeckt haben, dachten wir ernsthaft darüber nach, ein solches zu erstehen. Rückblickend lachen wir auch darüber, weil es mit über 3 kg Masse natürlich viel zu schwer ist. Auf so eine Idee kommt man nur ohne Kinder, wenn noch genügend Platz in den Taschen ist ...

Bestandsaufnahme

Claudia hat von einem amerikanischen Radreisenden gelesen, der sich das Salz von der Haut leckt, und sich nur noch wäscht, wenn sich dazu die Gelegenheit an Teichen oder Flüssen bietet. Er macht das aus Gründen des Minimalismus, um möglichst wenig mitzunehmen.

Heiko ist 1993 mit seinem Kumpel sieben Wochen in Finnland und Norwegen unterwegs gewesen. Vollbeladen mit Essen für vier Tage bleibt bei einem Tagesdurchschnitt über 100 Kilometern wenig Zeit zum Waschen. Er kann sich eigentlich nur an drei konkrete Duschsituationen erinnern:

  • am dritten Tag auf der Finnjet (von Travemünde nach Helsinki)
  • am zwölften Tag auf einem Campingplatz am Inarisee in Nordfinnland
  • auf einem Campingplatz irgendwo in Norwegen nach einer Woche Dauerregen

Wenn die beiden einkaufen gingen, standen Sie regelmäßig an der Kasse ganz allein, alle anderen Kunden suchten sich freiwillig andere Kassen. Es ist halt die Frage, was man den Mitmenschen so zumuten möchte – gerade das Abitur in der Tasche ist das aber eher egal.

Die allermeisten europäischen Radreisenden, die entlang der einschlägigen Flußradwege unterwegs sind, übernachten in Privatzimmern, Pensionen oder Hotels direkt am Weg. Das hat mehrere Vorteile:

  • Es entfällt der Versorgungsstreß mit dem Frühstück und dem Abendessen
  • Es gibt ein Badezimmer
  • Es gibt gemachte warme Betten

Eine Radreise ist dann nicht mit einer Aufgabe des „zivilisierten“ Lebens verbunden. Es gibt Brötchen und Kaffee am Morgen, warmes Wasser läuft rund um die Uhr aus der Wand. Und so kann man morgens ausgeschlafen, abgefrühstückt und frisch geduscht auf das Fahrrad steigen. Möglicherweise erleichtern viele Männer ihren Frauen auf diese Weise die Entscheidung zu einer Radtour.

Wir haben uns aus vielerlei Gründen für das Übernachten im Zelt entschieden, vor allem, um nicht regelmäßig abends noch ein bestimmtes Ziel erreichen zu müssen, was mit Kindern meist in übelste Hetzerei ausartet. Nachfolgend findet ihr unsere Tips zum Thema Outdoor-Hygiene.

Duschen und Waschen draußen

Wir waschen uns abends. Das hat den Vorteil, daß man sauber in die Schlafsachen steigt. Und man müffelt nicht so, das erhöht die Chance auf ein bißchen Kuschelei am Abend :-)

Nach einem heißen Tag ist das Bad am Abend beinahe genauso gut wie das Zielbier.

Nach einem heißen Tag ist das Bad am Abend beinahe genauso gut wie das Zielbier.

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Besonders einfach ist die Sache, wenn man am Fluß oder Teich zeltet: reinhüpfen, waschen, fertig. Eine Wohltat ist es, nach alter yogischer Tradition sofort nach dem Aufwachen die morgendliche Schlafsackhitze in der aufgehenden Sonne im kühlen Teich zu verteilen.

Wenn man abends keinen Teich gefunden hat, fällt das Duschen bei hochsommerlichen Temperaturen trotzdem leicht. Ist genügend Wasser am Platz, hängt man einfach den gefüllten Duschsack in einen Baum und los gehts. Wenn man die Staubkappe des Duschsacks gegen den sogenannten Duschvorsatz tauscht, kommt sogar echtes Duschgefühl auf. Im Prinzip kann man aber auch in die Staubkappe selbst Löcher reinbohren.
Wenn Wasser knapp ist, stellen wir uns in die Ortlieb Faltschüssel, dann läuft nicht so viel Wasser weg.

Kinder baden in der faltbaren Ortlieb Waschschüssel.

Kinder baden in der faltbaren Ortlieb Waschschüssel.

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Wenn es kühler ist, wäscht es sich angenehmer mit warmem Wasser, auch die Kinder finden das besser. Wenn es nicht regnet, kann man heißes Wasser mit dem KellyKettle machen. Wir haben zwei Thermosflaschen dabei (1,0 Liter und 0,5 Liter), dann macht Heiko mit dem KellyKettle gleich noch einen zweiten Durchgang, und dann gibt es auf einmal drei Liter kochendes Wasser. Das wird mit kalten Wasser gestreckt, so daß zum Duschen fast zehn Liter warmes Wasser zur Verfügung stehen: das reicht auch für größere Familien.

Bei Regen, Kälte oder starkem Wind waschen wir uns mit Waschlappen und der Faltschüssel im Schutz unseres Vorzeltes.

Seife, Rasieren

Wir haben wirklich viel ausprobiert zum Thema Seife. In der Regel hatten wir Flüssigseife in einer Flasche aus Kunststoff dabei. Mal abgesehen davon, daß man in Seife gelöstes Wasser und damit zusätzliches Gewicht herumfährt, hat uns der Kunststoff gestört. Im Jahr 2013 hatten wir das erste Mal Aleppo-Seife in einer hübschen runden Metalldose dabei. Ein wirklich sehr schönes empfehlenswertes Produkt, hält für die ganze Familie mindestens sechs Wochen.

Auf die regelmäßige Rasur muß man übrigens auf einer Radreise nicht verzichten. Auch wenn viele daheim auf die günstigen Rasierer aus der Drogerie schwören – unterwegs sind sie nur bedingt geeignet, weil es nicht immer warmes Wasser gibt, und das Ergebnis der Rasur unter kaltem Wasser sehr leidet – am besten zuhause mal ausprobieren. Für den Urlaub empfehlen wir euch den batteriebetriebenen Fusion Rasierer von Gilette, allerdings ohne Batterie, denn die „Mikroimpulse“ halten wir für einen Werbegag. Der Rasierer ist ohne Batterie deutlich leichter als das Metallmodell und durch den dickeren Griff viel besser zu greifen.
Den riesigen Halter lassen wir auch zuhause, wir nehmen nur den Griff und die Klingen in dieser kleinen Plastikbox mit. Nach Benutzung kommt die Klinge dort wieder rein und kann nichts kaputtmachen.

Ergänzend ist zum Thema Rasur hinzuzufügen, daß für rasierte Körperstellen gilt:

  • Sonnencreme läßt sich auf rasierter Haut besser verteilen und abends einfacher abwaschen, und da ihr den ganzen Tag draußen seid, braucht ihr je nach Hauttyp Sonnencreme nicht nur, wenn die Sonne scheint
  • Massagen sind angenehmer
  • die Wundversorgung ist im Fall der Fälle, den wir euch nicht wünschen, einfacher

Monatshygiene

Selbstverständlich möchte Frau auch unterwegs sauber und problemlos durch ihre Tage kommen. Daher empfiehlt es sich, während einer Radreise auf Bewährtes zu setzen.

Prinzipiell sind Tampons und Binden überall erhältlich aber evtl. abweichend in Größe, Form und Preis. Beispielsweise werden in Dänemark Tampons generell mit einer „Einführhilfe“ pro Tampon verkauft. Diese nehmen dadurch drei- bis viermal so viel Platz in den Taschen in Anspruch. Da nicht jeder Dorfladen ein großes Sortiment bereithält und auch nicht immer ein Dorfladen zu finden ist, solltet ihr vorausschauend entweder genug mitnehmen, oder unterwegs dann kaufen, wenn es etwas gibt.

Während Binden und Slipeinlagen wegen des Kunststoffanteils mitgenommen und entsorgt werden müssen können Tampons unserer Meinung nach in der Erde vergraben werden.

Experimentierfreudige Damen finden in sog. Menstruationstassen oder Naturschwämmen eine interessante Alternative. Dabei fällt unterwegs kein Müll an, für die regelmäßige Reinigung wird nur genügend Wasser benötigt.

How to shit in the woods

Ein großes Thema: das große Geschäft!

Es gibt unter dem Titel „How to shit in the woods“ gleich zwei Outdoor Handbücher, eines von Ulrike Katrin Peters und Karsten-Thilo Raab (25. Februar 2013) und ein zweites von Kathleen Meyer (12. Dezember 2011). Bei beiden Büchern sind die Amazon-Bewertungen sehr gespalten. Wir haben keines der beiden und kennen die Unterschiede nicht.

Generell finden wir es wesentlich angenehmer, das große Geschäft in der freien Natur zu erledigen als in irgendeinem stinkenden öffentlichen Klohaus. Wir glauben, daß jeder selbst in der Lage ist, eine geeignete Technik zu entwickeln. Sehr hilfreich jedoch ist der Klorollenhalter von Ortlieb, in dem das Papier trocken transportiert werden kann und außen an jeder Fahrradtasche einen Platz findet, so muß man nicht erst in der Tasche wühlen, wen man Klopapier benötigt.

Windeln

Stoffwindeln funktionieren auf einer Radreise leider nicht, da ihr die unterwegs nicht vernünftig saubermachen könnt. Wegwerfwindeln hingegen nehmen gefühlt unendlich viel Platz weg. Man kann problemlos eine große Hintertasche vollständig damit befüllen. Das ist letztendlich eine Platz- und Preisfrage. In Dänemark beispielsweise bekommt ihr 20 Pampers für den gleichen Preis wie 120 Aldiwindeln. Das haben wir nie eingesehen und dann eben die große Packung gekauft und dementsprechend viel Platz dafür reserviert.

Feuchttücher sind eigentlich eine große Umweltsauerei und zuhause überflüssig, aber unterwegs ungemein praktisch. Zwar könnt ihr die Kinder auch mit Waschlappen saubermachen, allerdings müßt ihr dann auch die Waschlappen wieder waschen, am besten täglich, was nicht möglich ist, wenn ihr wild zeltet. Pro Kind könnt ihr mit etwa einer Packung Feuchttücher pro Woche kalkulieren.

Sonstiges

Keine Tabus: Wir reden über Hornhaut.

Wir laufen gern barfuß und natürlich haben wir dann Hornhaut an den Füßen. Sie entsteht außerdem dadurch, daß wir barfuß in den Tevasandalen laufen, die aus Kunststoff hergestellt sind. Die meisten barfußlaufenden Menschen die wir kennen, haben keine Probleme mit Hornhaut. Sie ist im Sommer da und im Winter verschwindet sie wieder. Bei Heiko entstehen jedoch tiefe seitliche Risse, die beim Laufen unter die Haut reißen und sehr schmerzhaft sind. Fußbalsam usw. hilft nicht, einzig das „Abschrubbeln“ hilft. Zu diesem Zweck haben wir einen kleinen Bimsstein dabei.

Zähneputzen

Wir nutzen Zahnbürsten mit Wechselkopfsystem von Monte Bianco, die gibt es für Erwachsene und Kinder normalerweise im Bioladen. Kein Witz: Leichtgewichtfreaks kürzen sich den Zahnbürstenstiel. Haben wir auch gemacht, allerdings nur, damit die Bürsten in die Fächer unseres Kulturbeutels passen. Für die Kinder haben wir Weleda Zahngel, wir Erwachsene nehmen Ajona. Eine volle Tube Ajona kriegt man allein in einem Jahr nicht alle, so wenig muß man davon nur nehmen. Für eure Radreisen solltet ihr angefangene Tuben sammeln, die leere Tube hinten abschneiden und neu umfalzen, so kommt ihr für einen mehrwöchigen Urlaub auf eine Masse von rund 10 g für die Zahnpasta. Und klein vom Packmaß ist die Tube dann auch.

Deodorant

Wir sind jahrelang auf die Versprechen der Werbung reingefallen und haben aluminiumbasierte Deos verwendet (Dry). Die sind aber auch toll, man schwitzt und riecht nicht, weil diese Aluminiumsalze die Hautporen einfach verkleben. Außerdem sind die Plastikfläschchen sehr leicht.
Dann hat ARTE die Dokumentation Die Akte Aluminium gebracht, die ihr euch bei youtube ansehen solltet. Wir zumindest benutzen diese Produkte nicht mehr.
[Update 2014-05-07] Benno fragt zurecht, welches Deo wir denn nun benutzen. Nun, bei dm gibt es unter der Naturkosmetikmarke Alverde dieses Deo in der Glasflasche. Die Firma Speick stellt auch eine ganze Menge aluminiumfreier Deos her, zum Beispiel dieses hier: Speick Natural Deo Stick.
Danke Benno für die Frage.[/Update]

Kulturbeutel

Den ganzen Kram für die Körperpflege packen wir in den Mini Waschsalon von Jack Wolfskin. Es gibt gefühlt etwa 1.000 andere, achten solltet ihr darauf, daß man das Ding verünftig aufhängen kann und der Spiegel gut ist.

Wassertransport

Eine ausreichende Menge Wasser am Platz zu haben ist essentiell. Zu diesem Zweck haben wir zwei 4-Liter-Wassersäcke von Ortlieb dabei, die wir nachmittags bei Gelegenheit auffüllen. Auch wenn wir ein Gewässer für den Abend in Aussicht haben, nehmen wir trotzdem Wasser mit, möglicherweise findet sich eine andere schöne Stelle, oder wir werden durch einen technischen Defekt aufgehalten.

Wir transportieren etwa sechs Liter Wasser mit Hilfe von zwei Ortlieb Wassersäcken. Diese werden an der Ventilseite zusammengebunden und dann links und rechts über das Fahrrad geworfen.

Wir transportieren etwa sechs Liter Wasser mit Hilfe von zwei Ortlieb Wassersäcken. Diese werden an der Ventilseite zusammengebunden und dann links und rechts über das Fahrrad geworfen.

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Handtücher

Handtücher aus Baumwolle sind zwar toll, die kriegt ihr aber unterwegs nicht trocken. Außerdem sind sie schwer. Nach vielem Ausprobieren haben wir die Packtowl-Original-Handtücher für die Kinder und uns entdeckt. So ganz original sind die nicht, eigentlich von MSR unter dem Namen Packtowel entwickelt, gibt es sie nicht mehr. Die hier empfohlenen Handtücher kommen der MSR-Qualität am nächsten. Wir haben zwei davon dabei, das PackTowl XL ist so groß, daß man nach dem Duschen oder am Strand ein Kind darin einwickeln kann, und ein PackTowl L, zum normalen Abtrocknen.

Wie man sieht, taugt das PackTowl XL nicht nur, um Kinder nach dem Bad darin einzuwickeln.

Wie man sieht, taugt das PackTowl XL nicht nur, um Kinder nach dem Bad darin einzuwickeln.

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Als drittes Handtuch haben wir ein Sea to Summit Pocket Towel in der kleinsten Größe S dabei. Benutzen, auswringen, nochmal benutzen. Es ist sofort wieder trocken bei Fahrtwind oder nach ein paar Minuten Sonnenschein. Oder man schwingt es dreimal durch den Wind.

Ausrüstung für die Outdoor-Körperhygiene

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